Digitaler Meldeschein – Wie Anbieter gezielt auf die falsche Fährte locken

Rund zwei Monate sind seit der offiziellen Einführung des digitalen Meldescheins in Deutschland vergangen. Doch bisher haben wir keine gesetzeskonforme Lösung am Markt entdeckt*. Dennoch werben viele Anbieter damit. Denn wo ein dringender Bedarf besteht, winkt ein schnell verdienter Euro. Die bittere Wahrheit: Am Ende ist der Hotelier dafür verantwortlich, dass er seine Gäste gesetzeskonform meldet und nicht der Software-Anbieter – auf Risiko des Hoteliers werden hier also Mogelpackungen verkauft. Gesetzeskonform oder nicht, das ist hier die Frage. Ergänzend zu unserem ersten Blogbeitrag zum digitalen Meldeschein, gehen wir dem Thema deshalb nochmal auf den Grund.

Digitaler Meldeschein seit Januar 2020

Mit der Einführung des digitalen Meldescheins im Januar 2020 soll die eindeutige Identifikation eines Gastes in Deutschland auch digital möglich sein. Dafür muss die handschriftliche Unterschrift des Gastes durch andere sichere Verfahren ersetzt werden. Laut des neu hinzugefügten § 29 Abs. 5 im Bundesmeldegesetz dürfen Daten nur dann ausschließlich elektronisch gespeichert werden, wenn die beherbergte Person deren Richtigkeit und Vollständigkeit am Tag der Ankunft durch eine kartengebundene Zahlung mit einer starken Kundenauthentifizierung (SCA) oder mit einem Identitätsnachweis durch das Auslesen des elektronischen Personalausweises bestätigt.

Vorsicht: Das ist nicht gesetzeskonform!

Kommt beim Check-in für die Identifikation des Gastes weder die kartengebundene Zahlung mit SCA noch das Auslesen des Personalausweises zum Einsatz, besteht momentan keinerlei Möglichkeit, auf digitalem Weg die Identität der beherbergten Person zweifelsfrei zu bestätigen. Andere Verfahren sind im Gesetz schlichtweg nicht vorgesehen.  

Mythos digitale Unterschrift

Die Daten können vom Gast nicht mit einer digitalen Unterschrift bestätigt werden, wie wir es bspw. von Paketzustellern über Tablets, Unterschriftpads oder Mobiltelefone gewohnt sind. Diese digitale Unterschrift ist in Deutschland beim digitalen Meldeschein laut Gesetz nicht zulässig.

Mythos Zwei-Faktor-Identifizierung

Einige Anbieter werben damit, dass sie einen SCA Workflow implementiert haben und setzen dabei SCA mit einer Zwei-Faktor-Authentifizierung gleich – das ist allerdings falsch! Eine SCA ist immer an eine Kartenzahlung gebunden. So ist eine Zwei-Faktor-Identifizierung, beispielsweise über Gesichtserkennung und einen Fingerabdruck, nicht zulässig, da sie extrem manipulierbar ist. Personen könnten ansonsten mithilfe eines beliebigen Fotos und eines vermeintlichen Fingerabdrucks einchecken, ohne dass die Software diese auf Echtheit prüfen kann. COMPUTER BILD und ZDF WISO berichteten erst kürzlich, wie einfach die Gesichtserkennung von Smartphones überlistet werden kann. Zudem müssten Hotels von jedem Gast, deren Gesicht oder Fingerabdruck eingescannt wird, eine gesonderte Genehmigung einholen – Stichwort DSGVO.

Unser Rat an Sie

Bleiben Sie geduldig und bei aktuell angebotenen Lösungen zum digitalen Meldeschein extrem kritisch. Überstürzen Sie nichts und behalten Sie im Hinterkopf, dass der digitale Meldeschein nicht für alle Ihre Gäste umgesetzt werden kann, z.B. bei ausländischen Gästen, fehlender Kreditkarte oder fehlendem elektronischen Personalausweis bzw. PIN. Lassen Sie sich die Einhaltung des Bundesmeldegesetzes vom Anbieter schriftlich bestätigen. Warum? Letztlich sind Sie für die gesetzeskonforme Abwicklung des digitalen Meldescheins verantwortlich und nicht der Software-Anbieter. Wenn Sie sich auf eine nicht-gesetzeskonforme Lösung einlassen, riskieren Sie ordnungs- und wettbewerbsrechtliche Verstöße. Anbieter treffen oft nur vage oder lückenhafte Aussagen dazu, ob ihre Lösung legal ist.

Gastfreund und der digitale Meldeschein

Gastfreund bietet vorerst keine Lösung für den digitalen Meldeschein an, da dies zum jetzigen Zeitpunkt in unseren Augen schlichtweg unseriös wäre. Wir haben aber eine zeitsparende Lösung für den elektronischen Meldeschein: Einfach den Meldeschein vom Gast über die digitale Gästemappe von Gastfreund vorausfüllen lassen, ausdrucken und zur Unterschrift vorlegen.


So erfüllen Sie die Meldepflicht mit dem digitalen Meldeschein gesetzeskonform

Wir fassen Ihnen die drei legalen Möglichkeiten aus dem Bundesmeldegesetz noch einmal zusammen.

  1. Die Zahlung mit einer EC- oder Kreditkarte, die über eine starke Kundenauthentifizierung (SCA) verfügt. In diesem Fall hat sich eine Person bereits gegenüber einer Bank authentifiziert und ihre Identität persönlich und unter Vorlage eines gültigen Lichtbildausweises bestätigt. Durch den kartengebunden Zahlungsvorgang wird dieser Identitätsnachweis während des Check-ins an das jeweilige Hotel übertragen. Dieser Vorgang muss am Tag des Eincheckens erfolgen. Weshalb eine Buchung per EC- oder Kreditkarte im Vorfeld nicht ausreicht. Somit kommt diese Option bei Geschäftsreisen mit Kostenübernahme (der Beherbergte ist nicht der Bezahlende; die Karte läuft auf einen anderen Namen), bei vielen ausländischen Kreditkarten und bei Barzahlungen nicht in Frage.
  2. Die Identifikation des Gastes mithilfe des elektronisch lesbaren Personalausweises und der Eingabe der PIN. Hier muss der Gast die persönliche PIN seines Personalausweises eingeben, damit ein spezielles Lesegerät die Daten auslesen und den Gast authentifizieren kann. Hürden: Die Unterkunft benötigt entsprechende Lesegeräte, der Gast muss die Online-Ausweisfunktion freigeschaltet haben sowie seine PIN wissen.
  3. Die Identifikation des Gastes mithilfe des elektronisch lesbaren Personalausweises durch Auslesen der Zugangsnummer (CAN). Hier muss zusätzlich zur Eingabe der CAN ein Rezeptionsmitarbeiter das Gesicht des Gastes mit dem Lichtbild auf dem Personalausweis abgleichen.

Sie haben noch Fragen zur Einbindung des Meldescheins in die digitale Gästemappe? Wir helfen Ihnen gerne weiter! 
info@gastfreund.net | +49 831 930 657-0


*nach unserem Verständnis des Bundesmeldegesetzes nach § 29 Abs. 5; Sie wissen von einer gesetzeskonformen Lösung für den digitalen Meldeschein? Dann teilen Sie Ihr Wissen mit uns: marketing@gastfreund.net.

Kommentare sind geschlossen.